IoPT verstehen: Grundlagen, Methode und häufige Fragen zur Identitätsorientierten Psychotraumatherapie
Die Identitätsorientierte Psychotraumatherapie (IoPT) weckt bei vielen Menschen Neugier und wirft gleichzeitig ganz unterschiedliche Fragen auf. Manche entdecken IoPT zum ersten Mal und möchten verstehen, was hinter diesem Ansatz steckt und wie er funktioniert. Andere haben bereits eigene Erfahrungen mit der Methode gemacht und möchten einzelne Grundlagen der Theorie und therapeutischen Arbeit genauer verstehen.
In diesem Artikel möchte ich die Grundlagen der IoPT näher erläutern, den therapeutischen Prozess Schritt für Schritt beschreiben und einige der Fragen beantworten, die mir von Klienten und Lesern besonders häufig gestellt werden. Ich hoffe, dass dieser Artikel sowohl einen verständlichen und praxisnahen Einstieg für Menschen bietet, die IoPT gerade erst kennenlernen, als auch neue Perspektiven für diejenigen eröffnet, die sich bereits intensiver mit der Methode beschäftigen.
Um besser zu verstehen, wie wir in der IoPT arbeiten, ist es hilfreich, zunächst eine grundlegende Frage zu betrachten: Wie versteht IoPT Trauma? Diese Perspektive hilft uns zu verstehen, wie traumatische Erfahrungen unsere Identität prägen können und warum es im Heilungsprozess so wichtig ist, wieder Zugang zu den Anteilen von uns zu finden, die durch Trauma von unserem Bewusstsein getrennt wurden.
Was verstehen wir unter Trauma?
Mit dem Wort Trauma verbinden viele Menschen zunächst einschneidende Ereignisse wie schwere Unfälle, Krieg oder Naturkatastrophen. Solche Erfahrungen können zweifellos traumatisch sein. Trauma wird jedoch nicht allein durch das Ereignis selbst bestimmt. Es beschreibt vielmehr das, was in uns geschieht, wenn eine Erfahrung unsere Möglichkeiten, damit umzugehen, übersteigt und die Erfahrung so nicht vollständig verarbeitet und integriert werden kann.
Trauma kann entstehen, wenn eine Erfahrung uns überfordert, zu plötzlich oder zu intensiv geschieht oder über einen längeren Zeitraum anhält. Es kann auch dann entstehen, wenn uns die Zeit, Unterstützung, der Schutz, die emotionale Resonanz oder die inneren und äußeren Ressourcen fehlen, die wir brauchen, um das Erlebte zu verarbeiten. Aus Sicht der IoPT sprechen wir von Trauma, wenn eine überwältigende Erfahrung zu einer Fragmentierung der Psyche führt. Entscheidend ist also, dass die Erfahrung nicht nur belastend oder schmerzhaft war, sondern dass sie so überwältigend war, dass Teile unseres Ichs voneinander getrennt wurden, um das Erlebte bewältigen zu können.
Besonders deutlich zeigt sich dies in der frühen Kindheit. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich unser Nervensystem noch in der Entwicklung, und wir sind in unseren frühen Lebensjahren in besonderem Maße auf unsere Bezugspersonen angewiesen, um Sicherheit, Regulation und Bindung zu erfahren.
Was ist die Identitätsorientierte Psychotraumatheorie & Therapie (IoPT)?
Die Identitätsorientierte Psychotraumatheorie und -Therapie (IoPT) verbindet ein theoretisches Modell mit einem tief traumainformierten therapeutischen Ansatz. Beide wurden von Professor Dr. Franz Ruppert, einem deutschen Psychologen und Psychotherapeuten, entwickelt. IoPT baut auf etablierten Erkenntnissen der Trauma- und Bindungsforschung auf sowie auf Rupperts eigener langjähriger Arbeit zu Trauma, Identitätsentwicklung und Aufstellungsarbeit.
Im Zentrum der IoPT steht das Verständnis, dass traumatische und überwältigende Erfahrungen, insbesondere während der Schwangerschaft, der Geburt, im Säuglingsalter und in der Kindheit, die Entwicklung unserer Identität, unserer Beziehungen und wie wir uns selbst und die Welt um uns herum erleben, tiefgreifend beeinflussen können. IoPT Therapie bietet einen Raum für die innere Auseinandersetzung mit uns selbst und kann dabei helfen, die tieferen Ursachen von Symptomen und persönlichen Herausforderungen besser zu verstehen. Ziel ist es, Menschen dabei zu unterstützen, wieder in eine tiefere Verbindung mit sich selbst zu kommen, traumatische Erfahrungen zu integrieren und die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung, zu gesunden Beziehungen und zu einem authentischen Leben zu stärken.
Ein zentrales Konzept der IoPT ist Franz Rupperts Modell der gespaltenen Psyche nach einer traumatischen Erfahrung (siehe Abbildung unten). Nach diesem Modell wird deutlich, wie Trauma unsere Psyche in verschiedene innere Anteile spaltet. Anstatt als zusammenhängendes Ganzes zu funktionieren, organisieren sich die unterschiedlichen psychischen Anteile so, dass sie jeweils bestimmte Funktionen übernehmen. Dabei handelt es sich um eine natürliche Überlebensreaktion die deutlich zeigt, welche bemerkenswerte Fähigkeit unsere Psyche besitzt, sich in traumatischen Situationen zu schützen.
In der IoPT werden drei Arten innerer psychischer Anteile unterschieden: unsere gesunden Anteile, Überlebensanteile und Traumaanteile. Auch wenn wir diese Bereiche getrennt voneinander beschreiben, sind sie miteinander verbunden und gehören alle zu derselben Person. Unsere inneren psychischen Anteile haben sich als Überlebensstrategie auf traumatische Erfahrungen im Laufe unseres Lebens entwickelt.
Traumaanteile
Traumaanteile tragen die überwältigenden Gefühle, Körperempfindungen und unbewussten (impliziten) Erinnerungen an traumatische Erfahrungen, die wir zum damaligen Zeitpunkt nicht verarbeiten konnten. Daher hängen diese psychischen Anteile in der Entwicklungsphase fest, in der die Traumatisierung stattgefunden hat.
Wenn ein Traumaanteil aktiviert wird, können plötzlich sehr intensive Gefühle oder Körperempfindungen auftreten. Oft passt diese emotionale oder körperliche Intensität nicht zu dem, was gerade wirklich im Außen geschieht. Wir können in diesen Momenten zum Beispiel starke Hilflosigkeit, Angst, Traurigkeit, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Wut, Panik, Scham oder eine tiefe Einsamkeit empfinden. Häufig können wir dabei nicht erkennen, woher diese Gefühle und Reaktionen ursprünglich kommen und dass sie eigentlich mit früheren Erfahrungen zusammenhängen. Dass Traumaanteile spontan getriggert werden können, ist eine ganz normale Reaktion unserer Psyche und unseres Nervensystems, weshalb wir unbewusst immer wieder zwischen unterschiedlichen psychischen Anteilen wechseln.
Überlebensanteile
Unsere Überlebensanteile entwickeln sich, um uns vor dem Schmerz der in unseren Traumaanteilen gespeichert ist, zu schützen. Ihre zentrale Aufgabe besteht darin, uns zu ermöglichen, im Alltag zu funktionieren und unsere Beziehungen aufrechtzuerhalten. Vor allem in unserer Kindheit haben unsere Überlebensanteile eine wesentliche Bedeutung, da wir für unser Überleben auf unsere Bezugspersonen angewiesen sind, auch wenn es oft genau diese Personen sind, die uns (unbewusst) traumatisieren.
Unsere Überlebensanteile funktionieren, indem sie traumatische Erfahrungen und die damit verbundenen Gefühle und Körperempfindungen unterdrücken, uns davon ablenken, Gefühle und Erfahrungen verdrängen, verleugnen oder herunterspielen. Viele Strategien, die uns früher geholfen haben, mit schwierigen Erfahrungen zurechtzukommen, können bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben, auch wenn sie heute oft nicht mehr hilfreich sind.
Häufige Überlebensstrategien sind zum Beispiel:
Perfektionismus; es allen recht machen wollen (People-Pleasing); kontrollierendes Verhalten; emotionale Taubheit; Dissoziation; Identifikation mit den Gefühlen/Gedanken oder Verhaltensmustern anderer; übermäßiges Arbeiten; ein übermäßiges Verantwortungsgefühl; Abhängigkeiten & Suchtverhalten; zwanghaftes Verhalten; selbstverletzendes Verhalten; depressive Zustände; Co-Abhängigkeit…
Gesunde Anteile
Unsere gesunden Anteile sind mit unserer Lebensenergie, Entwicklung und authentischen Entfaltung unseres Selbst verbunden. Sie ermöglichen uns, präsent wahrzunehmen, was im Hier und Jetzt geschieht, unsere Erfahrungen zu reflektieren und bewusst auf Situationen zu reagieren, anstatt automatisch aus alten Überlebensstrategien heraus zu handeln.
Unsere gesunden Anteile, welche auch als unser gesundes Ich bezeichnet werden, helfen uns dabei, unsere eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, Gefühle angemessen auszudrücken, gesunde Grenzen zu setzen, Verantwortung für uns selbst zu übernehmen und echte, aufrichtige Beziehungen zu führen. Sie sind von Natur aus neugierig und mitfühlend, offen für neue Erfahrungen und in der Lage, Neues aufzunehmen und in unsere bisherigen Erfahrungen zu integrieren.
In der IoPT geht es darum, unser gesundes Ich zu stärken. Auf diese Weise können wir nach und nach wieder Zugang zu den Erfahrungen bekommen, die in den Traumaanteilen gespeichert sind, und diese Erfahrungen langsam integrieren. Gleichzeitig lernen wir, unsere Überlebensanteile zu erkennen und besser zu verstehen, welche Funktion sie ursprünglich für uns hatten. Dadurch können wir auch lernen mit unseren Überlebensstrategien zunehmend bewusster umzugehen.
Die Anliegenmethode und Resonanz
Ein wesentliches Merkmal der IoPT Therapie ist die von Professor Dr. Franz Ruppert entwickelte Anliegenmethode. Jede Selbstbegegnung, auch Resonanzprozess genannt, beginnt mit einem persönlich formulierten Anliegen des Klienten. Das eigene Anliegen in den Mittelpunkt zu stellen, ist ein wichtiger Bestandteil der therapeutischen Arbeit. Gerade im Zusammenhang mit Trauma kann dadurch unsere Fähigkeit gestärkt werden, uns selbst wieder mehr wahrzunehmen, eigene Bedürfnisse zu erkennen und zunehmend selbstbestimmter zu handeln.
Ein Anliegen besteht meist aus einem kurzen Satz, einer Frage oder einigen Worten. Es beschreibt, was der Klient in seinem Prozess näher betrachten, bearbeiten und verstehen möchte. Das Anliegen kann sich zum Beispiel auf ein wiederkehrendes Muster im eigenen Leben beziehen, eine innere Überzeugung, ein schwieriges Gefühl, eine Beziehung oder ein bestimmtes Symptom. Manchmal steht auch einfach der Wunsch im Mittelpunkt, sich selbst besser zu verstehen, anzunehmen oder fühlen zu können.
Die einzige „Regel“ bei der Formulierung eines Anliegens ist, dass es das Ich enthalten sollte. Denn das eigene Ich bildet den zentralen Bezugspunkt in unserer Psyche. Hier sind einige Bespiele von möglichen Anliegen aus der Praxis:
Ich fühle mich von mir selbst getrennt.
Ich möchte ich selbst sein
Warum kann ich nachts nicht schlafen?
Ich habe Schmerzen in der Schulter
Ich Panik.
Ich Ursache Migräne
Die IoPT Therapie bezieht sich darauf, dass jedes Wort eines Anliegens mit unseren unbewussten psychischen und körperlichen Erfahrungen verbunden ist. Durch Resonanz können diese Worte einen Zugang zu unbewussten Erinnerungen, Gefühlen, Körperempfindungen, Überzeugungen und inneren Dynamiken ermöglichen, die uns bisher vielleicht noch nicht bewusst zugänglich waren.
Nachdem das eigene Anliegen formuliert wurde, wählt der Klient bis zu drei Elemente daraus aus, die er in der Selbstbegegnung näher beleuchten möchte. Ein Element kann ein einzelnes Wort oder auch ein Satzzeichen aus dem Anliegen sein. Diese ausgewählten Elemente bilden den Ausgangspunkt für den Resonanzprozess (die Selbstbegegnung).
In der IoPT Therapie beschreibt Resonanz unsere menschliche Fähigkeit, in den Kontakt mit unseren unbewussten inneren Erfahrungen, Anteilen, Gefühlen und Wahrnehmungen zu kommen, die über unser bewusstes Denken hinausgehen. Anstatt etwas zu analysieren, zu interpretieren oder mit dem Verstand nach Erklärungen zu suchen, ermöglicht Resonanz, dass sich in Bezug auf die ausgewählten Elemente des Anliegens spontan innere Erfahrungen zeigen können. Das können Gefühle, Körperempfindungen, Impulse, Bewegungen, innere Bilder, Erinnerungen oder Gedanken sein. In einer Gruppensitzung wählt der Klient Resonansgeber aus, also andere Teilnehmer, die mit jeweils einem Element des Anliegens in Resonanz gehen. Während des Prozesses drücken die Resonanzgeber verbal und körperlich aus, was sie intuitiv wahrnehmen. Sie benötigen dafür im Vorraus keine Informationen über die persönliche Geschichte des Klienten.
In Einzelsitzungen arbeitet der Klient mit der Selbstresonanz und erkundet dabei nach und nach die einzelnen ausgewählten Elemente seines Anliegens. Er richtet seine Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper, seine Körperempfindungen, Gefühle, Gedanken und inneren Wahrnehmungen und beobachtet, was sich in Bezug auf die jeweiligen Elemente zeigt. Häufig werden dafür Bodenanker (z.B. Filzmatten) oder Gegenstände verwendet, die die einzelnen Elemente des Anliegens repräsentieren. Der Therapeut begleitet diesen Prozess und steht dabei direkt mit dem Klienten im Dialog.
Auch wenn der Prozess in Einzel- und Gruppensitzungen zu Teilen unterschiedlich ist, bleibt das grundlegende Prinzip dasselbe, weil wir mit der Anliegenmethode und Resonanz arbeiten. Im Unterschied zu vielen Formen der Gesprächstherapie, bei denen Erlebnisse vor allem verbal beschrieben und reflektiert werden, ermöglicht Resonanz einen unmittelbaren Zugang zu unseren unbewussten psychischen Prozessen. Auch unterdrückte oder abgespaltene innere Anteile sowie vorgeburtliche und vorsprachliche Erfahrungen können auf diese Weise sichtbar und fühlbar werden.
Wenn du mehr über Resonanz und Aufstellungsarbeit erfahren möchtest, findest du in meinem vorherigen Blogartikel weitere Informationen.
Das „Ich“ aus der Perspektive der IoPT verstehen
In der IoPT steht das Ich für unsere Identität und wie wir uns selbst erleben und wahrnehmen. Es bildet den zentralen Bezugspunkt unserer Psyche und umfasst die Erfahrung, wir selbst zu sein, eigene Wünsche und Vorstellungen, Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse zu haben, unsere Grenzen wahrzunehmen und mit der Welt um uns herum in Beziehung zu stehen. Unser Ich ermöglicht uns, uns als eigenständigen Menschen zu erleben und zu erkennen: „Das bin ich. Das fühle ich. Das brauche ich. Das ist mir wichtig.“
Wenn wir traumatisierende Erfahrungen machen, die wir nicht vollständig verarbeiten und integrieren können, spaltet sich unser Ich in unterschiedliche Anteile auf. Dies kann vor allem in der frühen Kindheit und auch bereits während der Schwangerschaft geschehen, weil wir als Babys und Kleinkinder kaum eigene Regulationsmöglichkeiten haben. In der IoPT wird diese Aufteilung als die gespaltene Struktur der Psyche bezeichnet. Die gesunden Anteile, Überlebensanteile und Traumaanteile werden dabei als unterschiedliche Teile unseres fragmentierten Ichs verstanden, die sich als Reaktion auf traumatische Erfahrungen entwickelt haben.
Die folgenden Abbildungen zeigen zwei mögliche Beispiele dafür, wie sich die Psyche als Folge traumatischer Erfahrungen spalten kann. Die innere Welt jedes Menschen ist individuell und die dargestellten Verhältnisse dienen daher lediglich der Veranschaulichung und sollen dabei helfen, das IoPT-Modell besser zu verstehen.
Die Abbildungen zeigen, dass das Verhältnis zwischen gesunden Anteilen, Überlebensanteilen und Traumaanteilen von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein kann. Wie sich die einzelnen psychischen Anteile entwickeln und ausprägen, hängt davon ab, wie eine Erfahrung von einem Menschen erlebt und verarbeitet werden konnte. Dabei spielen sowohl die Art und der Zeitpunkt einer Erfahrung als auch die inneren und äußeren Ressourcen eine wichtige Rolle, die uns zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung standen. Besonders in der frühen Kindheit sind unsere eigenen Möglichkeiten zur Selbstregulation noch sehr begrenzt, sodass wir stark darauf angewiesen sind, dass unsere Bezugspersonen uns Sicherheit und Regulation geben können. Auch unsere Bindungserfahrungen, unterstützende Beziehungen und persönliche Ressourcen beeinflussen, wie wir mit überwältigenden Erfahrungen umgehen und wie sich unsere Psyche in der Folge entwickelt und organisiert.
Wichtig ist dabei, dass jeder Mensch immer gesunde psychische Anteile in sich trägt, unabhängig davon, wie viel Trauma er erlebt hat. Trauma kann unseren Zugang zu diesen Anteilen jedoch stark beeinträchtigen. Dadurch können Überlebens- und Traumaanteile im Alltag stärker in den Vordergrund treten und unsere Wahrnehmung unbewusst beeinflussen. Bei Menschen, die überwiegend aus Trauma- und Überlebensanteilen heraus leben, können die gesunden Anteile deshalb nur schwer zugänglich oder kaum wahrnehmbar sein. Sie sind dennoch vorhanden. Die Fähigkeit, mit uns selbst und anderen verbunden zu sein, neugierig zu bleiben, uns authentisch auszudrücken und uns selbst wahrzunehmen, bleibt ein Teil von uns, auch wenn wir den Zugang dazu zeitweise oder über längere Zeit verlieren können.
Im Heilungsprozess geht es daher darum, die Verbindung zu diesen bereits vorhandenen gesunden Anteilen zu stärken und nach und nach auch jene Anteile unserer Identität zu integrieren, die durch traumatische Erfahrungen fragmentiert wurden.
Die oben gezeigten Abbildungen sollen veranschaulichen, dass Trauma jeden Menschen auf unterschiedliche Weise beeinflusst und dass sich auch das Verhältnis und die Ausprägung der verschiedenen inneren Anteile im Laufe des Heilungsprozesses wesentlich verändern können. Wenn wir unsere gesunden Anteile stärken und zuvor fragmentierte Trauma- und Überlebensanteile zunehmend integrieren, kann sich auch unser inneres Erleben mit der Zeit verändern. Wir können uns verbundener, klarer und zunehmend mehr im Kontakt mit uns selbst fühlen.
Wenn unterschiedliche Anteile von uns aktiviert werden
Franz Rupperts Spaltungsmodell der Psyche erklärt vor allem, warum in unterschiedlichen Situationen ganz unterschiedliche psychische Anteile von uns aktiv werden können. Im Alltag bewegen wir uns ganz natürlich zwischen verschiedenen psychischen Anteilen, also zwischen gesunden Anteilen, Überlebensanteilen und Traumaanteilen. Je nachdem, was gerade geschieht und in welcher Situation wir uns befinden, können unterschiedliche Anteile stärker in den Vordergrund treten und uns dabei helfen, uns anzupassen, uns zu schützen oder auf das Geschehen um uns herum zu reagieren.
Wenn wir getriggert werden, können wir die Welt vorübergehend aus der Perspektive eines Überlebens- oder Traumaanteils heraus erleben. In solchen Momenten können sich die Gefühle, Überzeugungen und Körperempfindungen, die mit diesem Anteil verbunden sind, sehr real und einnehmend anfühlen. Wenn solche Anteile besonders stark aktiviert oder ausgeprägt sind, kann es sich schnell so anfühlen, als würden sie unsere ganze Realität bestimmen.
Natürlich ist es auch möglich, dass mehrere psychische Anteile in einem Moment gleichzeitig aktiv sind. So kann beispielsweise ein gesunder Anteil bewusst verstehen, was gerade geschieht, und erkennen, dass ein Traumaanteil getriggert wird, während unser Körper und Nervensystem weiterhin in einem Überlebenszustand feststecken. Zum Beispiel können wir kognitiv wissen, dass wir im jetzigen Moment sicher sind und uns nichts passiert, und gleichzeitig aber intensive Angst, Scham oder Hilflosigkeit empfinden. Das zeigt, wie unterschiedlich verschiedene Anteile unserer Psyche dieselbe Situation erleben können.
Ein aktivierter psychischer Anteil ist immer nur ein Teil von uns, auch wenn wir uns in diesem Moment stark mit ihm identifizieren können. Im Heilungsprozess geht es deshalb darum, das gesunde Ich zu stärken und den Kontakt mit unserem gesunden Ich immer weiter auszubauen. So können wir auch dann mit uns selbst verbunden sein und in Selbstregulation bleiben oder wieder dahin zurückfinden, wenn andere psychische Anteile aktiviert sind. Aus unserem gesunden Ich heraus können wir wahrnehmen, was in unseren verschiedenen Anteilen geschieht, sie besser verstehen und ihnen mit Mitgefühl begegnen und so Trauma nach und nach integrieren.
Das Konzept der „Identifikation“ verstehen
In der IoPT beschreiben Identifikationen (Verstrickungen) eine Form von Überlebensstrategien, die sich als Reaktion auf traumatische Erfahrungen entwickeln. Dabei übernehmen wir unbewusst bestimmte Aspekte eines anderen Menschen, zum Beispiel dessen Überzeugungen, Gefühle, Einstellungen, Erwartungen, Sichtweisen oder Erfahrungen. Solche Identifikationen entstehen häufig bereits in der frühen Kindheit, insbesondere in der Beziehung zu unseren wichtigsten Bezugspersonen. Sie können sehr tief in uns verankert sein, dass wir später kaum noch unterscheiden können, was wirklich zu uns selbst gehört und was wir von anderen übernommen haben.
Identifikationen sind dabei immer eine Form von Überlebensstrategien, die sich als Reaktion auf Trauma entwickeln. Sie beziehen sich jedoch nicht ausschließlich auf unsere Bezugspersonen. Wir können uns beispielsweise auch mit einem Täter identifizieren oder mit Gruppen, Vereinen oder Marken, die uns ein Gefühl von Zugehörigkeit, Identität oder Sicherheit geben. Gerade wenn wir uns selbst wenig spüren oder innerlich leer und abgeschnitten fühlen, kann die Identifikation mit etwas oder jemandem außerhalb von uns dabei helfen, diese Leere zu füllen und uns ein Gefühl von Identität zu vermitteln. Auch über Generationen hinweg können Identifikationen entstehen, etwa mit Familienmitgliedern, die wir selbst nie kennengelernt haben.
Da Identifikationen hauptsächlich in frühen Bindungsbeziehungen entstehen, lohnt es sich, die Bedeutung von Bindung und Überleben in der Kindheit genauer zu betrachten. Als Kind sind wir für unser körperliches und emotionales Überleben auf unsere Bezugspersonen angewiesen. Wenn unsere Eltern physisch oder emotional nicht anwesend sind, uns ablehnen, uns Angst machen oder unsere emotionalen Bedürfnisse nicht erfüllen können, passen wir uns unbewusst an die Beziehung an, um die für uns so wichtige Verbindung zu ihnen aufrechtzuerhalten. Dies kann zum Beispiel geschehen, indem wir unbewusst die Überzeugungen, Gefühle oder Einstellungen unserer Eltern oder anderer Bezugspersonen übernehmen und sie dann als unsere eigenen erleben.
Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, wie solche Identifikationen entstehen können. Sie hängen von den jeweiligen traumatischen und belastenden Erfahrungen und Beziehungen innerhalb der Familie ab.
Zum Beispiel:
Ein Kind kann erleben, dass es von einem Elternteil nicht gewollt oder abgelehnt wird oder dass seine Existenz für diesen Elternteil eine Belastung darstellt. Daraus können Überzeugungen entstehen wie: „Ich sollte nicht existieren“, „Mit mir stimmt etwas nicht“ oder „Ich bin nicht gewollt.“ Später im Leben kann sich eine solche Identifikation beispielsweise in anhaltender Scham, Selbstzweifeln, Selbstablehnung oder großen Schwierigkeiten zeigen, den eigenen Platz einzunehmen und das eigene Dasein als selbstverständlich und berechtigt zu empfinden. Auch selbstzerstörerische oder selbstverletzende Verhaltensmuster können damit verbunden sein. Aus Sicht der IoPT hat das Kind die ablehnende oder destruktive Haltung des Elternteils verinnerlicht und trägt sie als Teil seines fragmentierten Ichs in sich.
Eltern können ihre Kinder unbewusst darfür benutzen, ihnen ein Gefühl von Lebendigkeit, Sinn, emotionaler Stabilität oder Bedeutung zu geben. Das Kind kann dann beginnen, sich mit den Bedürfnissen der Eltern zu identifizieren und diese als seine eigenen zu erleben, anstatt zu erkennen: „Meine Mutter saugt mich energetisch aus, damit sie sich lebendig fühlt“ oder „Meine Vater benutzt mich als emotionale Stütze.“ Stattdessen kann sich die innere Überzeugung entwickeln: „Es ist meine Aufgabe, für die Bedürfnisse meiner Mutter und meines Vaters da zu sein.“ Auf diese Weise kann sich die eigene Identität zunehmend um die Rolle herum entwickeln, die das Kind in der Beziehung übernommen hat. Auch im späteren Leben kann diese Identifikation die Beziehung zu uns selbst und zu anderen stark beeinflussen. Menschen fühlen sich dann beispielsweise besonders wertvoll, wenn sie gebraucht werden, empfinden Schuld, wenn sie ihre eigenen Bedürfnisse an erste Stelle setzen, oder kümmern sich automatisch zuerst um andere, bevor sie überhaupt wahrnehmen, was sie selbst brauchen. Die zugrunde liegende Identifikation bleibt dabei häufig unbewusst und kann sich beispielsweise in Überzeugungen zeigen wie: „Es ist meine Aufgabe, mich um andere zu kümmern“, „Meine Bedürfnisse sind weniger wichtig“ oder „Ich bin wertvoll, wenn ich für andere nützlich bin.“
Ein Kind kann immer wieder die Angst, Wut, Scham oder Selbstablehnung eines Elternteils miterleben und diese Gefühle nach und nach als Teil von sich selbst übernehmen. Wenn eine Mutter, beispielsweise sehr ängstlich oder unsicher ist, kann sie dem Kind direkt oder indirekt vermitteln, dass die Welt nur gefährlich ist und dass es selbst nicht in der Lage ist, mit dem Leben zurechtzukommen. Das Kind kann diese Angst übernehmen und später selbst ein tiefes Gefühl von Unsicherheit oder Verletzlichkeit entwickeln. Selbst als Erwachsene können Menschen sich dann beispielsweise als schwach, schutzlos oder unfähig erleben, auch wenn sie sich objektiv in einer sicheren Situation befinden und eigentlich die Fähigkeiten besitzen, mit Unsicherheit umzugehen.
Ein Kind kann sich auch an ein Elternteil anpassen, der sehr kritisch, kontrollierend oder anspruchsvoll ist, indem es dessen Maßstäbe und Bewertungen übernimmt. Es kann dadurch die innere Überzeugung entwickeln: „Ich bin nur etwas wert, wenn ich gute Leistungen erbringe“, „Ich darf keine Fehler machen“ oder „Ich muss perfekt sein, damit ich geliebt werde.“ Im späteren Leben können sich solche Identifikationen beispielsweise in starker Selbstkritik, Perfektionismus, Ängsten oder dem anhaltenden Gefühl zeigen, niemals gut genug zu sein.
Diese Beispiele zeigen, wie Identifikationen aus belastenden und traumatisierenden Bindungserfahrungen entstehen können. Als Kind ist es sehr schwer zu erkennen, dass das Problem eigentlich bei den Eltern oder anderen Bezugspersonen liegt. Als Kind können wir nicht verstehen: „Mein Mama lehnt mich ab“ oder „Mein Papa kann mir nicht die Liebe und Sicherheit geben, die ich brauche.“ Stattdessen passen wir uns unbewusst an und beziehen die Erfahrung auf uns selbst: „Mit mir stimmt etwas nicht“ oder „Ich muss so oder so sein, damit ich geliebt, angenommen oder akzeptiert werde.“ Auf diese Weise können Bindungserfahrungen und Dynamiken tief die Entwicklung unseres eigenen Selbstbildes und unserer eigenen Identität prägen.
Dies kann zu der schmerzhaften Erfahrung führen, dass ein Teil von uns selbst uns ablehnt, nicht existieren möchte oder keinen Kontakt zu uns haben will. Aus Sicht der IoPT tragen diese psychischen Anteile des fragmentierten Ichs entsprechende Identifikationen in sich. Sie erleben die Welt weiterhin aus der Perspektive unserer früheren Bindungserfahrungen, obwohl die ursprüngliche Situation schon lange vorbei ist. Wir erleben bestimmte Überzeugungen, Gefühle oder Beziehungsmuster dann oft einfach als „so bin ich“, ohne zu erkennen, dass sie unsere früheren Bindungsdynamiken spiegeln.
Solche Dynamiken können in einer Selbstbegegnung sichtbar werden. Wenn eine Identifikation erkennbar wird, kann sie, sofern der Klient sich dafür bereit fühlt und es im jeweiligen Prozess sinnvoll ist, mit Hilfe einer Identifikationsresonanz weiter erkundet werden. Dafür kann entweder ein weiterer Resonanzgeber hinzugenommen werden oder ein Gegenstand beziehungsweise ein Bodenanker gewählt werden, um die betreffende Person aus der Identifikation zu repräsentieren. Dieser Prozess kann uns dabei helfen, genauer wahrzunehmen, was zu unserem eigenen Ich gehört und was wir von einem anderen Menschen unbewusst übernommen haben. Aus Sicht der IoPT kann diese bewusste Wahrnehmung dazu führen, dass sich die in der Identifikation gebundene Energie lösen kann und unsere Psyche sich langsam neu orientiert. Wenn wir Identifikationen erkennen, können wir auch besser verstehen, wie Trauma über Generationen hinweg weitergegeben wird und wie frühe Bindungserfahrungen uns häufig unbewusst noch bis ins Erwachsenenalter wesentlich beeinflussen.
Im folgenden Abschnitt gehe ich auf einige der am häufigsten gestellten Fragen ein, die sich auf die IoPT, Aufstellungsarbeit und therapeutische Methode beziehen.
HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN
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Jede IoPT-Sitzung orientiert sich am individuellen Prozess des jeweiligen Menschen. Gleichzeitig folgen die Sitzungen alle einer ähnlichen Struktur, die einen sicheren und unterstützenden Rahmen für die innere Auseinandersetzung mit uns selbst schafft.
In meiner Praxis plane ich für eine IoPT-Sitzung generell 90 Minuten ein. Die Selbstbegegnung dauert in der Regel etwa 60 Minuten, wobei die Dauer je nach Prozess auch unterschiedlich sein kann.
In der Regel ist eine Sitzung bei mir folgendermaßen aufgebaut:
1. Ankommen und Formulieren Deines Anliegens
Zu Beginn nehmen wir uns Zeit, für einen kurzen Check-in um zu schauen, wie es dir gerade geht und was dich im Moment beschäftigt. Du formulierst Dein Anliegen, das beschreibt, was Du in dieser Sitzung näher erkunden möchtest. Das Anliegen bildet den persönlichen Ausgangspunkt für Deine Selbstbegegnung.
2. Die Selbstbegegnung (Resonanzprozess)
Nachdem Du Dein Anliegen formuliert hast, beginnt die Selbstbegegnung. Je nachdem, ob wir in einer Einzelsitzung oder in einer Gruppe arbeiten, findet der Prozess entweder über Selbstresonanz oder mit Resonanzgebern statt.
Während des gesamten Prozesses unterstütze ich dich dabei, mit dir selbst in Verbindung zu bleiben und das, was sich zeigt, in deinem eigenen Tempo zu erkunden.
3. Therapeutische Begleitung
Meine Aufgabe als Therapeut ist es, Dir einen sicheren und unterstützenden Rahmen zu bieten, bei Bedarf Co-Regulation zu ermöglichen und Dich dabei zu unterstützen, wieder stärker mit Deinem gesunden Ich in Verbindung zu kommen. Dazu gehört unter anderem auch, Dich dabei zu begleiten, mit dem Erlebten in Kontakt zu bleiben, ohne davon überwältigt zu werden.
Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt dabei auf der Regulation des Nervensystems. Ich passe das Tempo des Prozesses an Deine Bedürfnisse an, und an das, was sich für Dich sicher stimmig anfühlt.
4. Integration und Stabilisierung
Nach der Selbstbegegnung nehmen wir uns Zeit, das Erlebte zu integrieren. Je nachdem, was im Prozess entstanden ist, kann dies durch ein gemeinsames Reflektieren, Achtsamkeits - oder körperorientierte Übungen oder andere Methoden geschehen, die Deine Selbstregulation unterstützen.
Wichtig: Du bestimmst über Deinen eigenen Prozess
Ein zentraler Grundsatz der IoPT Therapie ist, dass Du selbst die Verantwortung und Entscheidungshoheit über Deinen eigenen Prozess behältst.
Du kannst jederzeit eine Pause machen, das Tempo verlangsamen, Fragen stellen oder den Prozess beenden, wenn etwas zu überwältigend wird oder sich für Dich einfach nicht richtig anfühlt. Es gibt keinen Druck, weiterzumachen, etwas zu teilen oder etwas zu erkunden, bevor Du Dich dazu bereit fühlst.
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Eine Selbstbegegnung, die auch als Resonanzprozess bezeichnet wird, beginnt immer damit, dass Du Dein Anliegen formulierst. Das Anliegen wird aufgeschrieben, sodass es während des gesamten Prozesses sichtbar und greifbar bleibt. In einer Sitzung vor Ort geschieht dies in der Regel auf einem Whiteboard oder einer Tafel. In einer Online-Sitzung kann das Anliegen beispielsweise in den Chat geschrieben werden.
Anschließend kannst Du bis zu drei Elemente aus Deinem Anliegen aussuchen, die Du näher erkunden möchtest. Dabei kann es sich um einzelne Wörter oder auch um Satzzeichen handeln. In einer Sitzung vor Ort werden diese Elemente jeweils auf einzelne Klebezettel geschrieben und im Raum ausgelegt. In einer Online-Sitzung werden sie beispielsweise im Chat einzeln markiert.
In einer Einzelsitzung wählst Du Gegenstände oder Bodenanker aus, die für Deine jeweiligen ausgewählten Elemente stehen, und platzierst sie im Raum. Diese Elemente dienen anschließend als Ausgangspunkte für die Selbstresonanz.
In einer Gruppensitzung wählst Du Teilnehmer aus, und bittest sie mit jeweils einem Deiner ausgewählten Elemente in Resonanz zu gehen. Die übrigen Teilnehmer bleiben als Beobachter dabei und nehmen nicht aktiv als Resonanzgeber am Prozess teil.
Selbstbegegnung in der Gruppe
Sobald Du Dich bereit fühlst, beginnt der Resonanzprozess.
Die Resonanzgeber richten ihre Aufmerksamkeit nach innen und spiegeln, was sie spontan und intuitiv wahrnehmen. Das können Gefühle, Körperempfindungen, Impulse, Bewegungen, innere Bilder oder Gedanken sein. In Deinem eigenen Tempo sprichst du mit den Resonanzgebern, die dann ihre Wahrnehmungen teilen, ohne diese zu analysieren, zu interpretieren oder nach einer Erklärung zu suchen.
Generell entscheidest Du selbst, wo Du beginnen möchtest und welche Fragen Du den Resonanzgebern stellst.
Zum Beispiel:
„Was merkst du in der Resonanz?“
„Nimmst du ein bestimmtes Alter wahr?“
„Was nimmst du in deinem Körper wahr?“
…..
Während die Resonanzgeber ihre Erfahrungen teilen, versuchst Du im Kontakt mit Dir selbst zu bleiben und beobachtest, was in Deinem eigenen Inneren passiert. Dabei können Gefühle, Erinnerungen, Körperempfindungen oder andere Impulse auftauchen, die Du wiederum in den Prozess einbringst.
Zum Beispiel kann ein Klient ein vertrautes Gefühl bei einem Resonanzgeber wiedererkennen und sagen: „Ja, dieses Gefühl von Panik, was du beschreibst, kenne ich sehr gut. Es tritt besonders abends häufig auf.“ Oder der Klient erinnert sich spontan an eine bestimmte Erfahrung aus dem eigenen Leben: „Wenn ich das höre, erinnere ich mich an die Zeit, als sich meine Eltern getrennt haben. Ich habe mich damals völlig allein und überfordert gefühlt.“
Durch diesen Dialog können unterschiedliche innere Erfahrungen und Dynamiken sichtbar werden. Du kannst erkunden, wie verschiedene psychische Anteile mit Deinem Anliegen im Zusammenhang stehen, und dadurch ein tieferes Verständnis für Deine innere Welt entwickeln.
Während der gesamten Selbstbegegnung ist es wichtig, dass Du mit Deinem eigenen Erleben verbunden bleibst. Du entscheidet selbst, was sich für Dich stimmig und bedeutsam anfühlt und welche Informationen Du für dich als deine Wahrheit annehmen möchtest.
Selbstbegegnung in einer Einzelsitzung
In einer Einzelsitzung wählst Du Gegenstände oder Bodenanker für die von dir ausgewählten Elemente aus Deinem Anliegens aus und platzierst sie im Raum. Anschließend gehst du mit diesen Elementen in Selbstresonanz und fühlst in dich hinein, was Du intuitiv wahrnimmst und sich in der Resonanz zeigt. Dabei können Gefühle, Körperempfindungen, Gedanken, Impulse oder Erinnerungen auftauchen.
Ich als Therapeut begleite den Prozess und lade Dich durch Fragen dazu ein, Deine eigene Wahrnehmung weiter zu vertiefen. Zum Beispiel:
„Was nimmst du wahr, wenn du mit diesem Anteil in Kontakt bist?“
„Womit gehst du in Resonanz oder was nimmst du wahr?“
„Kommt ein bestimmtes Alter oder eine bestimmte Lebensphase in dir auf?“
„Was geschieht in deinem Körper, wenn du davon berichtest?“
Jeder Mensch erlebt Selbstresonanz auf seine eigene Weise. Manche Klienten nehmen sich zunächst etwas Zeit, um still wahrzunehmen und zu erkunden, was in ihnen geschieht. Anschließend treten sie aus der Resonanz heraus und reflektieren gemeinsam mit dem Therapeuten, was sie erlebt haben. Andere bleiben lieber in der Resonanz und teilen währenddessen mit, was sie wahrnehmen.
Beides ist möglich und der Prozess richtet sich danach, was für den jeweiligen Klienten hilfreich und unterstützend ist.
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Die kurze Antwort lautet: IoPT funktioniert sowohl online als auch vor Ort sehr gut. Die therapeutische Arbeit bleibt unabhängig vom Ort gleich, und in beiden Formaten können tiefgehende und bedeutungsvolle Selbstbegegnungen entstehen.
Gleichzeitig hat jede Form ihre eigenen Besonderheiten. Welche Variante sich besser anfühlt, hängt auch von den persönlichen Umständen, dem eigenen Wohnort und davon ab, in welchem Rahmen man sich am sichersten und am besten unterstützt fühlt.
IoPT vor Ort
Bei Sitzungen vor Ort können wir den Therapieraum direkt in den Prozess einbeziehen. In Einzelsitzungen stelle ich verschiedene Bodenanker (Filzmatten), Figuren und andere Gegenstände zur Verfügung, die genutzt werden können, um unterschiedliche psychische Anteile darzustellen.
Wenn wir uns im selben Raum befinden, ist auch eine direkte nonverbale Kommunikation besser möglich. Als Therapeut kann ich dadurch Veränderungen in deiner Körperhaltung, Atmung und Bewegung sowie Anzeichen einer Aktivierung oder Regulation des Nervensystems leichter wahrnehmen. Wenn es für den Prozess sinnvoll ist und du ausdrücklich zustimmst, kann auch eine sanfte unterstützende Berührung, zum Beispiel eine Hand auf der Schulter, als Möglichkeit zur Stabilisierung und Co-Regulation eingesetzt werden.
IoPT online
Auch online folgt die IoPT demselben therapeutischen Prozess. Anstelle der Materialien aus meinem Therapieraum kannst du Gegenstände verwenden, die du bei dir zu Hause findest und die für die verschiedenen psychischen Anteile stehen. Manche Menschen verwenden dafür beispielsweise Kissen, Bücher, Tassen, kleine Figuren, Steine oder andere Alltagsgegenstände. Andere arbeiten lieber ohne Gegenstände und gehen direkt mit den einzelnen Anteilen in Resonanz.
Viele empfinden es als angenehm, die Sitzung in der vertrauten Umgebung des eigenen Zuhauses machen zu können. Eine bekannte Umgebung kann dazu beitragen, dass sich das Nervensystem sicherer und ruhiger fühlt. Außerdem hast du deine persönlichen Ressourcen direkt bei dir, zum Beispiel eine Lieblingsdecke, ein Haustier oder andere Dinge, die dir Sicherheit und Halt geben.
Ein weiterer Vorteil von Online-Sitzungen ist, dass die räumliche Entfernung keine Rolle spielt. So kannst du auch dann mit mir arbeiten, wenn du in einer anderen Stadt oder einem anderen Land lebst.
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Ob du dich für eine Einzelsitzung oder eine Gruppensitzung entscheidest, ist eine sehr persönliche Frage. Beide Formate basieren auf denselben IoPT-Grundlagen und können eine intensive und wertvolle Auseinandersetzung mit uns selbst ermöglichen. Es geht vor allem darum, welcher Rahmen sich für dich und deinen aktuellen Prozess am stimmigsten und unterstützendsten anfühlt.
Einzelsitzungen
Eine Einzelsitzung kann für dich besonders passend sein, wenn du:
einen geschützten und persönlichen Rahmen bevorzugst, in dem die gesamte Aufmerksamkeit auf deinem eigenen Prozess liegt.
du dir mehr Zeit für persönliche Reflexion, Erklärungen und die Integration des Prozesses wünschst.
du dich wohler damit fühlst, verletzliche oder persönliche Themen in einem privaten Rahmen zu erkunden.
du gerne mit Selbstresonanz arbeitest und es als angenehm empfindest, jeweils mit einem Anteil zu arbeiten, anstatt gleichzeitig mit mehreren Anteilen im Kontakt zu sein, wie es in einer Gruppensitzung der Fall sein kann.
du einen ruhigeren und stärker auf dich ausgerichteten therapeutischen Rahmen bevorzugst.
Gruppensitzungen
Eine Gruppensitzung kann für dich besonders passend sein, wenn du:
es als hilfreich erlebst, deine innere Welt durch Resonanzgeber zu erkunden.
du gerne direkt mit Resonanzgebern in den Kontakt gehst, um die Beziehungen und Dynamiken zwischen verschiedenen Anteilen zu erkunden, die gleichzeitig ausgedrückt und sichtbar werden.
Du die Verbindung mit anderen Menschen und das Gefühl von Gemeinschaft als unterstützend erlebst.
du es bereichernd findest, die Prozesse anderer Menschen mitzuerleben und dabei Erkenntnisse zu gewinnen, die auch mit deinem eigenen Erleben in Verbindung stehen können.
du die besondere Möglichkeit schätzt, auch selbst Resonanzgeber für andere Menschen zu sein um so neue Erfahrungen und ein tieferes Verständnis für dich selbst und andere zu gewinnen.
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IoPT kann uns dabei unterstützen, uns selbst, die eigenen psychischen Anteile und Zusammenhänge zwischen früheren Erfahrungen und dem heutigen Leben besser zu verstehen. Jeder Prozess ist sehr individuell. Was in einer Selbstbegegnung sichtbar wird, lässt sich nicht planen oder erzwingen. Vielmehr schaffen wir einen Raum, in dem wir achtsam erkunden können, was sich in der Selbstbegegnung zeigt.
Die folgenden Punkte beschreiben meine persönliche therapeutische Herangehensweise und die Bereiche, auf die ich in meiner Arbeit mit Klienten besonderen Wert lege:
Die Verbindung zu unseren gesunden Anteilen und inneren Ressourcen stärken, darunter unsere Fähigkeit zu Neugier, Reflexion, Selbstwahrnehmung, Authentizität und wie wir mehr präsent bleiben können.
Traumatische Erfahrungen verarbeiten und integrieren, einschließlich der damit verbundenen Gefühle, Körperempfindungen und emotionalen oder körperlichen Reaktionen, die zum Zeitpunkt des Geschehens nicht vollständig verarbeitet werden konnten.
Ein stärkeres Gefühl für die eigene Identität und innere Verbundenheit entwickeln, indem wir uns mit grundlegenden Fragen beschäftigen: Wer bin ich? Was fühle ich? Was brauche ich? Was möchte ich? Was ist für mich wahr?
Den eigenen Willen entwickeln und stärken, indem wir wieder stärker mit unseren eigenen Wünschen, Bedürfnissen, Entscheidungen und Grenzen in den Kontakt kommen und lernen, Entscheidungen zu treffen, die mit uns resonieren.
Überlebensstrategien verstehen, zum Beispiel, wie sich bestimmte Gedanken, Gefühle, Verhaltensweisen, Beziehungsmuster und körperliche Reaktionen als Anpassungen an traumatische Erfahrungen entwickelt haben.
Zusammenhänge zwischen früheren Erfahrungen und heutigen Herausforderungen erkennen, insbesondere wie frühes Trauma, Bindungserfahrungen und Beziehungsmuster unser Selbstbild und unseren Umgang mit uns selbst und anderen beeinflussen.
Eine tiefere Verbindung zum eigenen Körper entwickeln, indem wir lernen, Körperempfindungen, Gefühle, Impulse und andere Signale besser wahrzunehmen, die bisher vielleicht schwer zugänglich oder von unserem Bewusstsein getrennt waren.
Die Regulation des Nervensystems unterstützen und die Fähigkeit zur Selbstregulation stärken, sodass wir lernen können, auch mit schwierigen Gefühlen und Erfahrungen im Kontakt zu bleiben und dabei die Verbindung zu uns selbst aufrechtzuerhalten.
Die Fähigkeit zu Co-Regulation und sicherer Verbindung stärken, indem wir im therapeutischen Rahmen erfahren, dass auch schwierige innere Erfahrungen in einem sicheren und unterstützenden Rahmen erkundet werden können, ohne davon überwältigt zu werden.
Traumaanteile, Überlebensanteile und gesunde Anteile erkunden und integrieren, um einen bewussteren, verständnisvolleren und achtsameren Umgang mit den verschiedenen Anteilen von uns selbst zu entwickeln.
Die eigene Selbstwahrnehmung und das Verständnis für sich selbst vertiefen, indem wir innere Konflikte, wiederkehrende Muster und unbewusste Dynamiken erkennen, die unser Leben und Verhalten beeinflussen.
Selbstmitgefühl entwickeln und einen liebevolleren Umgang mit uns selbst finden, insbesondere mit den Anteilen, die Scham, Angst, Schmerz oder Selbstablehnung in sich tragen.
Klarheit in Bezug auf Beziehungen und Beziehungsmuster gewinnen, indem wir Bindungsdynamiken, persönliche Grenzen und die eigenen Muster im Umgang mit anderen besser verstehen und neue Möglichkeiten für gesündere und authentischere Beziehungen entwickeln.
Mehr Freiheit und Wahlmöglichkeiten im eigenen Leben entwickeln, wo ein tieferes Bewusstsein und die Integration verschiedener innerer Anteile dazu beitragen, aus einem regulierteren Zustand heraus auf das Leben zu reagieren, anstatt vor allem von Überlebensstrategien unbewusst kontrolliert zu werden.
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Ja, absolut! Denn genau eine der Stärken der IoPT Therapie ist, dass der Prozess keine bewussten Erinnerungen an konkrete Erfahrungen voraussetzt. Viele Menschen fragen sich, ob sie überhaupt mit ihrem Trauma arbeiten können, wenn sie sich kaum oder gar nicht an bestimmte Ereignisse aus ihrer Kindheit erinnern. Wichtig ist zu verstehen, dass Trauma als implizite, also unbewusste Erinnerungen in uns gespeichert wird. Es kann sich beispielsweise in Gefühlen, Körperempfindungen, Überzeugungen, Impulsen oder Reaktionen unseres Nervensystems zeigen.
Durch die Arbeit mit der Anliegenmethode und Resonanz ermöglicht IoPT, auch unsere unbewussten, unterdrückten und vorsprachlichen Erfahrungen zu erkunden, die unsere Identität geprägt haben. Dazu können auch Erfahrungen aus sehr frühen Entwicklungsphasen gehören, beispielsweise aus der Zeit im Mutterleib, während der Geburt oder aus den ersten Lebensjahren.
Wenn wir nur wenige oder gar keine Erinnerungen an unsere Kindheit haben, kann dies damit zusammenhängen, dass unser Nervensystem stark überlastet war und Erinnerungen unterdrückt. Dissoziation und ein eingeschränkter Zugang zu bestimmten Erinnerungen sind daher oft Schutz- und Überlebensreaktionen.
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Eine häufige Sorge zu Beginn der IoPT Therapie ist die Vorstellung, dass Heilung bedeutet, alles, was geschehen ist, noch einmal durchleben oder alle schmerzhaften Gefühle erneut in ihrer ursprünglichen Intensität erleben zu müssen.
In der IoPT Therapie geht es nicht darum, traumatische Erfahrungen erneut komplett zu durchleben oder das Nervensystem zu überfordern. Das Anliegen gibt den Rahmen für den Prozess vor und wird vom Klienten selbst gewählt. Dadurch entscheidest du selbst, was du erkunden möchtest. Unsere Psyche verfügt über eine eigene Fähigkeit zur Selbstregulation, und wir können nicht im Voraus bestimmen, was sich in einer Selbstbegegnung zeigt oder in welchem Tempo wir etwas integrieren können.
Wenn sich Trauma- oder Überlebensanteile mit starken Gefühlen oder Körperempfindungen zeigen, entscheidest du jederzeit selbst, wie tief du hier in den Kontakt gehen möchtest. Es kann beispielsweise sein, dass du für einen kurzen Moment mit einem Gefühl oder einer Körperempfindung in Kontakt gehst und anschließend wieder mehr Abstand dazu gewinnst. Wenn es dir schwerfällt, aus einer starken Aktivierung herauszukommen, bist du dabei nicht auf dich allein gestellt. Als Therapeut unterstütze ich dich dabei, wieder mehr Orientierung und Verbindung zu dir selbst zu finden und dein Nervensystem zu regulieren. Auf diese Weise kann sich dein Nervensystem Schritt für Schritt an Gefühle und Wahrnehmungen herantasten, ohne davon überfordert zu werden. Mehr und intensiver zu fühlen ist dabei nicht automatisch besser. Entscheidend ist vielmehr, langsam zu werden, wahrzunehmen, was gerade da ist, und dabei mit dir selbst im Kontakt zu bleiben. -
Wenn wir beginnen, uns bewusster mit uns selbst, unseren Gefühlen und Körperempfindungen auseinanderzusetzen, kann es vorkommen, dass bestimmte Symptome, Gefühle und Wahrnehmungen zunächst stärker in den Vordergrund treten oder aktiviert werden. Oft beginnen wir dann Dinge wahrzunehmen, die uns vorher kaum zugänglich und bewusst waren.
Wie sich ein Heilungsprozess entwickelt, ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Unsere Psyche und unser Nervensystem haben ihr eigenes Tempo, und wir alle haben unterschiedliche Kapazitäten und Resourcen. In meiner Arbeit lege ich deshalb einen starken Fokus auf Nervensystemregulation um so für mehr innere Stabilität zu sorgen und die eigenen inneren Ressourcen zu stärken.
Nach einer Selbstbegegnung empfehle ich generell, (wenn möglich) etwas Ruhe einzuplanen und sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Auch ein etwas langsameres Tempo im Alltag kann uns dabei unterstützen, den Prozess besser zu integrieren.
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IoPT kann unseren Heilungsprozess auf unterschiedliche Weise unterstützen. Im Folgenden werden einige der wesentlichen Aspekte näher beschrieben:
Das Anliegen lenkt unsere Aufmerksamkeit. Es richtet sie auf das, was für uns persönlich bedeutsam ist, und kann dadurch innere Erfahrungen und Prozesse aktivieren, die sonst außerhalb unseres Bewusstseins bleiben. Aus psychologischer und neurobiologischer Sicht sind unsere Aufmerksamkeit, Erwartungen, Erinnerungen, Gefühle und Körperwahrnehmungen eng miteinander verbunden. In der IoPT wird das Anliegen daher als Ausgangspunkt gesehen, um diese inneren Erfahrungen sichtbar zu machen und zu erkunden.
Resonanz kann innere psychische Dynamiken sichtbarer machen, insbesondere innere Prozesse, die als Reaktion auf traumatische Erfahrungen entstanden sind. Durch Resonanz können Aspekte unseres inneren Erlebens, die bisher außerhalb unseres Bewusstseins waren, zugänglich und sichtbar werden. Wenn wir diese Erfahrungen zunehmend differenzierter wahrnehmen, benennen und jeweilige Gefühle halten können, entsteht die Möglichkeit, das zu verarbeiten und zu integrieren, was zuvor unterdrückt, und von unserem bewussten Erleben abgespalten war.
Bewusstes Erleben schafft Raum für Integration. Wenn Gefühle, Körperempfindungen, Erinnerungen und Überlebensreaktionen in einem ausreichenden Gefühl von innerer Sicherheit bewusst wahrgenommen werden können, müssen sie nicht länger außerhalb unseres Bewusstseins bleiben. Wir müssen dann weniger von unserer Lebensenergie dafür aufwenden, diese Erfahrungen zu unterdrücken. Aus Sicht der IoPT kann dies dazu beitragen, dass sich die in Traumaanteilen gebundene Energie lösen und neu organisieren kann.
Unser Nervensystem kann neue Erfahrungen machen. Durch Co-Regulation, die Präsenz des Therapeuten und eine ausreichend sichere therapeutische Beziehung können wir uns schwierigen Erfahrungen annähern und dabei mit der Gegenwart verbunden bleiben. Wiederholte Erfahrungen von Sicherheit und Regulation können mit der Zeit dazu beitragen, dass unser Nervensystem anders auf Situationen reagiert, die es früher als bedrohlich erlebt hat.
Auch unser Verhältnis zu unseren inneren Anteilen kann sich verändern. Je bewusster wir unsere Trauma- und Überlebensanteile wahrnehmen, desto besser können wir unterscheiden, was zur gegenwärtigen Situation gehört und was mit früheren Erfahrungen verbunden ist. Beides kann in unserer Psyche so eng miteinander verbunden sein, dass eine Situation im Hier und Jetzt unbewusst in uns Gefühle, Körperempfindungen, Überzeugungen oder Erwartungen aus früheren Erfahrungen triggert.
Wenn uns diese verschiedenen Ebenen bewusster werden, können wir zunehmend erkennen: „Das passiert gerade im Hier und Jetzt, und gleichzeitig wird ein Trauma und/oder Überlebensanteil aus meiner Vergangenheit in mir aktiviert.“ Diese Unterscheidung schafft mehr inneren Raum. Wir können dadurch leichter aus unseren gesunden Anteilen heraus auf das reagieren, was gerade geschieht, anstatt automatisch in alte Überlebensstrategien zu fallen
Gleichzeitig wissen wir noch längst nicht alles darüber, wie Heilung tatsächlich geschieht. Unser Bewusstsein, die energetischen Aspekte unseres Erlebens und die Komplexität unseres menschlichen Seins werfen weiterhin viele grundlegende Fragen auf. Was wir aber beobachten können, ist, dass IoPT Prozesse tiefgreifende Veränderungen ermöglichen können, auch wenn wir noch nicht alle Zusammenhänge verstehen oder erklären können. Vielleicht ist auch genau das ein Teil dessen, was Heilung so faszinierend macht: Es gibt noch so vieles, das wir nicht verstehen und erst nach und nach entdecken..
Den eigenen Heilungsweg finden
Aus meiner Sicht ist die Bearbeitung von Trauma und wie unsere Psyche und unser Nervensystem auf überwältigende Erfahrungen reagieren, oft ein komplexer und herausfordernder, gleichzeitig aber auch zutiefst faszinierender und wertvoller Prozess. Diese innere Auseinandersetzung stärkt unsere eigenen Fähigkeiten zur Heilung und eröffnet uns neue Möglichkeiten für Veränderung. Wenn wir beginnen zu verstehen, dass unsere Gedanken, Gefühle, körperlichen Symptome und Verhaltensmuster aus einem bestimmten Grund entstanden sind, können wir lernen, uns selbst mit mehr Verständnis und Mitgefühl zu begegnen.
Heilung bedeutet dabei nicht, dass schwierige Gefühle oder Erfahrungen nie wieder auftauchen. Es geht vielmehr darum, zunehmend besser zu verstehen, was gerade in uns geschieht, zu erkennen, was zur Vergangenheit gehört und was im Hier und Jetzt passiert, und auch in schwierigen Momenten mit uns selbst verbunden zu bleiben. Mit der Zeit kann dadurch mehr Raum für eigene Entscheidungen, Selbstmitgefühl und Selbstregulation entstehen und unsere Verbindung mit dem eigenen gesunden Ich wachsen.
Auch wenn ich IoPT als einen sehr wertvollen therapeutischen Ansatz sehe, bedeutet dass nicht, dass die IoPT Therapie für jeden Menschen und jede Situation der passende Weg ist. Wir alle bringen unterschiedliche Erfahrungen, Bedürfnisse und Vorstellungen von therapeutischer Arbeit mit. Einen Ansatz zu finden, der sich für den eigenen Weg stimmig und unterstützend anfühlt, ist daher ein wichtiger Teil des eigenen Heilungsprozesses.
Dieser Artikel spiegelt mein persönliches Verständnis von IoPT, meine Erfahrungen damit und die Art und Weise wider, wie ich mit diesem Ansatz arbeite. Andere IoPT-Therapeuten können unterschiedliche Perspektiven, Hintergründe und Herangehensweisen haben. Meine Arbeit ist besonders durch meinen Fokus auf das Nervensystem und somatische Prozesse geprägt, ebenso durch meine langjährige persönliche Erfahrung mit Achtsamkeit und Meditation sowie durch meine eigene Arbeit mit IoPT und anderen ganzheitlichen Ansätzen.
Ich hoffe, dieser Artikel konnte dir mehr Klarheit und ein tieferes Verständnis für IoPT, den therapeutischen Ansatz sowie die dahinterliegende Theorie und Prinzipien vermitteln. Wenn du neugierig geworden bist und IoPT selbst ausprobieren möchtest, kannst du dich gerne bei mir melden. Ich biete Online-Sitzungen für Klienten weltweit sowie Sitzungen vor Ort in Oslo an. Du kannst auch ein kostenloses und unverbindliches 30-minütiges Kennenlerngespräch buchen. Dabei hast du die Möglichkeit, mich kennenzulernen, deine Fragen zu stellen und ein Gefühl dafür zu bekommen, ob eine gemeinsame Arbeit für dich stimmig sein könnte.
Wenn du Gedanken, Fragen oder persönliche Erfahrungen zu diesem Thema teilen möchtest, freue ich mich sehr, in den Kommentaren von dir zu lesen. Weiter unten findest du außerdem einige Fragen zur persönlichen Reflexion. 🙏
Danke, dass Du hier bist. 💕
Julia
✏️Fragen zur Reflexion
Welche Gefühle, Gedanken oder inneren Stimmen tauchen in bestimmten Situationen immer wieder in dir auf?
Welche Vorstellungen oder Erwartungen über dich selbst, andere Menschen oder Beziehungen hast du von deinen Eltern oder anderen Bezugspersonen übernommen und trägst sie heute noch in dir?
In welchen Situationen fühlst du dich ganz bei dir und verbunden mit dem, was du wirklich möchtest, fühlst und brauchst?
Gibt es etwas, das durch das Lesen dieses Artikels deine Neugier geweckt hat und dem du gerne weiter nachgehen möchtest?